Im Land des grünen Goldes
Manche trinken ihn pur, andere mit einem Schuss Milch. In manchen Kulturen, wie in Japan, folgt seine Zubereitung einem jahrhundertealten Ritual. Doch nirgendwo ist der Tee so sehr das Herz eines Landes wie in Sri Lanka. Die Geschichte der Insel und die ihres berühmtesten Exportguts sind kaum voneinander zu trennen – von der britischen Kolonialzeit unter dem Namen Ceylon bis heute.
Der Schatz, der wächst
Die Zahlen sind bemerkenswert für ein Land dieser Größe: Obwohl Sri Lanka flächenmäßig zehnmal kleiner ist als Frankreich, ist es der weltgrößte Tee-Exporteur und viertgrößte Tee-Produzent – mit rund 300.000 Tonnen Ernte pro Jahr. China, Indien, Kenia und Sri Lanka zusammen erwirtschaften 75 Prozent der global gehandelten Teemenge.
Dabei bedeckten diese feinen, zartblättrigen Sträucher die sanft geschwungenen Hügel im Zentrum und Süden des Landes nicht immer. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bauten die Briten dort Kaffee an. Preisverfall, wachsende Konkurrenz und schließlich ein Parasit, der ab 1869 ganze Plantagen vernichtete, zwangen die Bauern zum Neuanfang. Mit dem Tee begann der eigentliche Aufstieg Sri Lankas.
Ideales Klima für den Teeanbau
Dass sich der Teestrauch in Sri Lanka so nachhaltig durchgesetzt hat, liegt nicht nur an der Geschichte – es liegt am Boden, an der Luft, an der Höhe. Tee gedeiht in feuchter Umgebung bei gleichbleibenden Temperaturen um die 16 Grad. Genau dieses Klima herrscht auf den südlichen Hochebenen. Die Sträucher kennen dort keine Ruhephase; die Blätter können das ganze Jahr geerntet werden.
Sri Lanka zählt sechs Hauptanbauregionen: Nuwara Eliya, Uva, Dimbula, Kandy, Ratnapura und Galle. Sie erstrecken sich von Meereshöhe bis auf 2.000 Meter – eine Spanne, die dem Tee seine gesamte geschmackliche Tiefe verleiht.
Die Höhe, in der der Tee wächst, entscheidet über alles: Farbe, Aroma, Stärke – und letztlich darüber, wann man ihn am liebsten trinkt. Ein kleiner Überblick für eine perfekte „Tea Time”:
Zwischen null und 600 Metern wachsen die Low-Grown-Tees, die Tees des Flachlands. Ihr Sud ist dunkel und kräftig – ideal als Frühstückstee, mit oder ohne Milch.
Zwischen 600 und 1.300 Metern entstehen die Medium-Grown-Tees der Mittellagen: holzig in der Note, mit einer natürlichen Affinität zu Zitrusaromen.
Ab 1.300 Meter schließlich wachsen die High-Grown-Tees der Höhenlagen – feiner, konzentrierter, von subtiler Komplexität. Sie erinnern an den Darjeeling, der als edelste aller Teesorten gilt. Die High-Grown-Tees Sri Lankas gehören zu den begehrtesten der Welt.
Die Farben des Tees
Was den Tee seine Farbe gibt, ist Oxidation – der Prozess, bei dem die Blätter nachdunkeln und sich der Geschmack entwickelt. Gestoppt wird er durch Wärme. Je nach Verarbeitungsweg entsteht Weißer, Grüner oder Schwarzer Tee – und jeder folgt seiner eigenen, präzisen Logik.
Beim weißen Tee werden Knospe und die beiden angrenzenden Blätter von den besten Sträuchern gelesen. Das Erntegut trocknet zwei bis drei Tage, oxidiert leicht und der Tee bekommt jene silbrigen Töne, die ihn auszeichnen. Ein abschließendes Trocknungsverfahren von zehn bis zwanzig Minuten gibt ihm die endgültige Form.
Beim grünen Tee werden junge Blattspitzen geerntet. Ein mehrstündiger Prozess ist die Grundlage für Farbe, Duft und Geschmack. Anschließend werden die Blätter eine Stunde lang von Hand gerollt, bevor sie bei 65 bis 70 Grad zwanzig Minuten lang erhitzt werden.
Die Verarbeitung des schwarzen Tees beginnt mit stundenlangem Trocknen. Es folgt ein ein- bis zweistündiger Rollvorgang bei hoher Luftfeuchtigkeit und exakt 20 Grad – weicht auch nur ein Parameter ab, ist die gesamte Ernte verloren. Der abschließende Trocknungsschritt dauert dreißig Minuten bei 120 Grad. Erst dann sind Farbe, Duft und Geschmack des schwarzen Tees endgültig festgeschrieben.
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