Die Le Commandant Charcot auf wissenschaftlichem Abenteuer
Die Polarregionen verändern sich schneller, als wir sie begreifen können. In diesem Kontext ist die Erforschung der Arktis und Antarktis nicht nur eine wissenschaftliche, sondern auch eine logistische Herausforderung – und die Le Commandant Charcot, PONANTs Schiff für Expeditionen ins Eis, öffnet Türen, die bislang verschlossen blieben.
Wissenschaftler, die während der ersten Expedition zum Nordpol an Bord waren, konnten dort Spuren des Klimawandels nachweisen – im Eis, im Wasser, in der sich wandelnden Landschaft. Hier teilen sie ihre Eindrücke und Gedanken zur Zukunft der Polarforschung.
Unsere Polargebiete – Wächter des Klimawandels
In den hohen Breitengraden spürt man schon, was sich anderswo erst ankündigt: Kein Ort auf der Erde reagiert empfindlicher auf den Klimawandel als die Polarregionen – und kein Ort gibt der Wissenschaft früher Auskunft darüber, was kommt.
Camille Lique, Forscherin, Ozeanographin und Physikerin an LOPS und Ifremer*, war während der ersten Nordpol-Expedition der Le Commandant Charcot an Bord. Ihr Fazit: „Die Natur verändert sich, während wir sie untersuchen. Das erfordert ständig von uns, uns anzupassen, weiterzudenken und unsere Beobachtungen und Instrumente anzupassen, um die Prozesse zu verstehen und ihnen bestmöglich zu begegnen.”
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LOPS: Laboratoire d’Océanographie Physique et Spatiale
Ifremer: Institut français de recherche pour l’exploitation de la mer
Polargebiete verstehen und schützen: eine gemeinsame Mission
Abgeschiedenheit, Kälte, Packeis und Stürme – die Polarregionen stellen jeden, der dort forschen will, vor außergewöhnliche Herausforderungen. Die nötige Infrastruktur wurde über Jahrzehnte aufgebaut: Zwischen 1957 und 1959, zur Zeit der Unterzeichnung des Antarktisvertrags, entstanden in Arktis und Antarktis zahlreiche Forschungsstationen. Frankreich errichtete 1956 die Station Dumont D’Urville im Adélieland in der Antarktis und leitet gemeinsam mit italienischen Teams die Kontinentalstation Dome C. In Spitzbergen in der Arktis ist die französische Station Teil der internationalen Basis von Ny-Ålesund. Weil polare Missionen immense Kosten mit sich bringen, schließen sich Forschungseinrichtungen weltweit zusammen. Die arktische MOSAIC-Expedition 2020, die auf dem deutschen Eisbrecher Polarstern stattfand, bestand aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 15 Ländern.
„Ich habe Tausende von Fotos von Meereis betrachtet, aber erst auf dieser Reise zum Nordpol bin ich zum ersten Mal darauf gelaufen – und mir wurde Stunde für Stunde bewusst, wie intensiv sich die Eisbedingungen ständig verändern. Die Heterogenität der Dynamik des Eises und seines Erscheinungsbildes ist bemerkenswert.” (Camille Lique)
Le Commandant Charcot, eine einzigartige Beobachtungsstation
Was kein Satellitenbild und kein Labormodell ersetzen kann: das direkte Arbeiten im Feld. Wer die Arktis oder Antarktis aus der Nähe erlebt, versteht Zusammenhänge, die sich aus der Ferne nicht erschließen. Forschungseisbrecher sind selten – in der Antarktis weichen Wissenschaftler daher oft auf Fischerei-, Handels- oder Tourismusschiffe aus, die improvisiert zur Forschungsplattform werden. Die Le Commandant Charcot ist eine andere Antwort. Nicolas Kolodziejczyk, Forscher am LOPS der Universität Brest, bringt es auf den Punkt: „Die Le Commandant Charcot bietet die Möglichkeit, routinemäßige Messungen durchzuführen und Instrumente einzusetzen, deren gesammelte Daten für die Beobachtungsnetzwerke von großem Wert sind. Dieses Schiff deckt Regionen ab, aus denen wir wenige Proben bekommen, sodass jede neue Datenerhebung äußerst wertvoll ist.”
Ein Schiff im Dienst der Wissenschaft
Die Begleitung der Wissenschaftler ist kein nachträglicher Einfall, vielmehr wurde dies von Beginn an bei der Konzeption des Schiffes mitgedacht. An Bord steht den Forschenden ein Laborraum mit direktem Zugang zum Meer zur Verfügung – für den Einsatz von meteorologischen Bojen, Temperatur-Salzgehalt-Sensoren und weiteren Probenahme-Instrumenten. Mikroskope, Probenahmepumpen und wissenschaftliche Grundausstattung gehören dazu; ein Wissenschaftskoordinator begleitet die Expeditionen.
Bildnachweis: © Daphné Buiron / © Studio PONANT
Wissenschaft im Eis selbst erleben
An Bord der Le Commandant Charcot reisen Sie nicht nur in die Arktis oder Antarktis – Sie sind dabei, wenn Forschung entsteht.


