In den kalten Regionen der Erde ist Eis nicht gleich Eis
Gletscher, Eisberge oder Meereis unterscheiden sich auf den ersten Blick kaum. Neben den offensichtlichen Ähnlichkeiten beim Aussehen, sind auch alle ziemlich eindrucksvoll, wenn man ihnen in der Natur begegnet. Doch bei näherem Hinsehen offenbaren sich verblüffende Unterschiede, die schon bei der Entstehung beginnen. Manche Eisformationen bestehen aus Süßwasser, aus Schnee, der über Jahrtausende zu Eis geworden ist. Andere sind gefrorenes Meerwasser. Wer mehr wissen möchte über diese beeindruckenden Phänomene in den kalten Regionen unserer Welt, ist hier richtig.
SÜSSWASSEREIS:
Wenn Schnee zu Eis wird
Süßwassereis entsteht, wenn fallender Schnee sich über lange Zeit auf dem Untergrund ansammelt und durch sein eigenes Gewicht zu Eis verdichtet wird. Diese Zone nennt man Akkumulationszone. Das so entstandene Landeis – auch Kontinentaleis – besteht aus Süßwasser und bildet an Land Gletscher, die nach ihrer Ausdehnung klassifiziert werden: als Eisschild oder Eiskappe.
In der Antarktis dehnen sich manche Gletscher weit über das Festland hinaus aus. Dort, wo das Eis auf das Meer trifft, schwimmt ein Teil auf dem Wasser – dieser schwimmende Ausläufer wird als Schelfeis bezeichnet. Schelfeise können mehrere tausend Quadratkilometer bedecken und senkrechte Eiswände von mehreren Dutzend Metern Höhe bilden. Das Ross-Schelfeis und das Larsen-Schelfeis im Weddellmeer gehören zu den bekanntesten Beispielen.
Wenn Teile dieser Eisplattformen abbrechen und frei auf dem Ozean treiben, entstehen Tafeleisberge – ein Phänomen, das charakteristisch für die Antarktis ist. Ihre Oberseiten sind flach wie abgesägt, ihre Ausmaße manchmal atemberaubend: Einige dieser schwimmenden Kolosse erstrecken sich über mehrere hundert Quadratkilometer.
EISBERGE:
Wenn Eis auf Reisen geht
Eisberge entstehen am Rand von Gletschern: Eisblöcke lösen sich vom Gletscher und treiben auf das offene Meer hinaus. Diesen Vorgang nennt man Kalben. Eisberge werden nach ihrer Größe klassifiziert – von „sehr groß” bis hin zu sogenannten Growlern, kleinen Brocken mit weniger als einem Meter Höhe über der Wasseroberfläche und weniger als fünf Metern Länge.
Was man sieht, ist – wie die Redewendung völlig richtig sagt – nur die Spitze des Eisbergs: Der sichtbare Teil macht in der Regel nur etwa 20 % der gesamten Eismasse aus. Der Rest liegt unter Wasser, unsichtbar, aber gewaltig. Im Ozean treibend, können Eisberge Jahre brauchen, bis sie vollständig verschwunden sind.
MEEREIS:
Wenn Salzwasser gefriert
Die Phasen der Meereisbildung
Meereis entsteht, wenn Salzwasser gefriert. Die Bildung von Meereis ist sehr spannend, denn es sind mehrere Phasen zu beobachten:
- Bildung von Eisnadeln (Frazil): Sind die Temperaturen über einen längeren Zeitraum niedrig genug, entsteht auf der Ozeanoberfläche eine Schicht Eiskristalle. Wenn die Wetterlage ruhig ist, entsteht eine zusammenhängende Eisschickt, die mit der Zeit immer dicker wird.
- Bildung von Pfannkucheneis: Bei raueren Wetterbedingungen mit Wind und Wellen bricht diese Schicht immer wieder auf, es entstehen Eisschollen – runde, schwimmende Eisfladen unterschiedlicher Größe. Und weil diese optisch an Pfannkuchen erinnern, der deutsche Name.
- Bildung von Eisschollen: Die schwimmenden Stücke des Pfannkucheneises kollidieren und schieben sich übereinander, und mit der Zeit verbinden sie sich zu zusammenhängenden Eisplatten – es entstehen Eisschollen.
Während Süßwasser bei 0 °C gefriert, liegt der Gefrierpunkt von Meerwasser darunter – je salziger das Wasser ist, desto kälter muss es werden. Beim Gefrieren verliert Meerwasser einen Großteil seines Salzes, weshalb Meereis trotz seines Ursprungs einen niedrigen Salzgehalt aufweist als das umgebende Meerwasser.
Einjähriges und mehrjähriges Meereis
Einjähriges Meereis bildet sich im Winter und schmilzt, wenn die Temperaturen steigen. Die Schmelze des Meereises wird auch als Eisaufbruch bezeichnet. Einjähriges Meereis ist in der Regel etwa ein bis zwei Meter dick. Mehrjähriges Meereis hingegen übersteht auch den Sommer, wächst von Jahr zu Jahr und kann mehrere Meter Stärke erreichen.
Meereis ist weit mehr als Wasser in anderer Form. Es ist wichtiger Lebensraum für zahlreiche Tierarten, schützt Küstenlinien vor Erosion und ist für die Inuit-Bevölkerungen der Arktis seit Generationen Grundlage für Jagd, Fischfang und das tägliche Leben.
Zu unterscheiden ist außerdem zwischen Festeis – das sich entlang der Küsten bildet und dort verbleibt – und Treibeis oder Packeis, das von Winden und Meeresströmungen bewegt wird. Innerhalb des Meereises können sich eisfreie Flächen bilden, sogenannte Polynjas. Sie entstehen dort, wo wärmere Meeresströmungen an die Oberfläche steigen oder anhaltende Winde das Eis auseinanderdrücken.
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