Startseite > Die fantastische Tierwelt von Südgeorgien

Die fantastische Tierwelt von Südgeorgien

Un manchot royal marchant sur une plage de galets en Géorgie du Sud, avec une étendue d’eau et de hautes herbes en arrière-plan

Im Gespräch mit Petra Glardon, Naturführerin bei ​ PONANT EXPLORATIONS

 

Auf Südgeorgien buhlen die Weite der Landschaft und der Reichtum ihrer Tierwelt um Aufmerksamkeit. Auf dieser subantarktischen Insel, die den stärksten Winden der Welt ausgesetzt ist, sind gewaltige Kolonien von Königspinguinen zuhause, die mitunter ganze Strände bedecken. Petra Glardon, Naturführerin bei PONANT EXPLORATIONS, erzählt von einer Welt, in der die tierischen Bewohner die Anmutung der Küsten beständig verändern.

Petra Glardon

Seit mehr als zwanzig Jahren bereist Petra Glardon die Polarregionen, von den Gewässern der Antarktis bis an die Küsten Südgeorgiens. Als Biologin hat sie sich auf Meeressäuger spezialisiert und als Naturführerin bei PONANT EXPLORATIONS begleitet sie Expeditionen zur Beobachtung von Königspinguinkolonien, Antarktischen Seebären und Walen des Südpolarmeeres. Fahrt für Fahrt verfolgt sie so, Saison für Saison, die großen Zyklen des Lebens im Süden.

Was macht Südgeorgien so besonders?

Südgeorgien unterscheidet sich stark von der Antarktis. Die Wucht der polaren Landschaften findet sich zwar auch hier wieder, mit schneebedeckten Gipfeln und Gletschern, die bis ins Meer reichen. Doch weil die Insel zum subantarktischen Inselbogen gehört, nördlich des weißen Kontinents, bleibt sie von den großen Packeisflächen verschont. Wer hierher kommt, entdeckt in diesen Breiten Gletschertäler ebenso wie unerwartet grüne Zonen.

 

Un grand glacier sur le versant d’une montagne rocheuse enneigée dans la baie de Saint Andrews, en Géorgie du Sud

Ein mächtiger Gletscher an den Hängen eines schneebedeckten Felsmassivs in der St. Andrews Bay, Südgeorgien

Was mich immer wieder beeindruckt, ist dieser Kontrast: die scheinbare Rauheit des Ortes, diese subantarktische Insel, verloren inmitten eines der unwirtlichsten Ozeane der Welt, und die geradezu überbordende Fülle an tierischen Bewohnern. Dazu kommen die Farben, die große Flächen zu bestimmen scheinen: das Weiß der Gletscher, das Grün einzelner Täler, das satte Blau des Wassers, die dunklen Strände voller Tiere. Man spürt ständig, dass man als Mensch auf diesem Boden nur zu Gast ist.

Eine Insel (fast) am Ende der Welt

Fast 1.500 Kilometer von den Falklandinseln entfernt, erreicht man Südgeorgien erst nach mehreren Tagen Fahrt durch die Weiten des Ozeans. Auf gerade einmal 170 Kilometern Länge vereint die Insel dennoch elf Gipfel über 2.000 Metern, gewaltige Küstengletscher und einige der größten Tierkolonien des Hohen Südens. Ein Gebirge im Meer, ein winziges Gebiet – gemessen an der Weite des Südpolarmeeres –, doch seine Abgeschiedenheit und die Dichte des Lebens hinterlassen bei jedem, der hierherkommt, einen bleibenden Eindruck.

Welche Tiere kann man in Südgeorgien beobachten?

In Südgeorgien leben rund 95 Prozent der weltweiten Population des Antarktischen Seebären und etwa die Hälfte aller an See-Elefanten, dazu gewaltige Kolonien von Königspinguinen.

Im Reich der Königs-pinguine

Als zweitgrößte Pinguinart nach dem Kaiserpinguin kann der Königspinguin nahezu einen Meter groß werden und rund fünfzehn Kilogramm wiegen. In Südgeorgien zählen seine Kolonien zu den größten der Welt: mehr als 75.000 Brutpaare kann man in der Hochsaison auf der Salisbury Plain zählen, noch mehr in der St. Andrews Bay. Bemerkenswert: Die Kolonien sind das ganze Jahr über belebt, denn der Brutzyklus dauert länger als zwölf Monate.

Verändert sich die Tierwelt im Laufe des Jahres?

Die Königspinguine sind das ganze Jahr über an den Stränden Südgeorgiens zu finden, doch die Kolonien verändern sich im Verlauf der Saison unablässig. Im Dezember prägen noch die großen, dick befiederten braunen Küken das Bild der Kolonien; wenige Wochen später erscheinen die Eier und schließlich die ganz jungen Küken. Jede Phase bringt eigene Verhaltensweisen, Laute und Bewegungen innerhalb der Kolonien mit sich.

Auch die Strände folgen ihrem eigenen Rhythmus. Zu Beginn des Südsommers treffen zuerst die männlichen Seebären ein und besetzen ihr Revier. Dann folgen die Weibchen, die Geburten, bevor die Jungtiere nach und nach das Ufer für sich beanspruchen. Rundherum sammeln sich zudem See-Elefanten, Albatrosse und zahlreiche Seevögel, die sich auch vom Schiff aus bestens beobachten lassen. In Südgeorgien verwandelt die Tierwelt die Landschaft buchstäblich von Woche zu Woche.

picto-quote

„Die Kolonien nimmt man oft wahr, bevor man sie überhaupt sieht. Je nach Windrichtung erreicht ihre Geräuschkulisse das Schiff schon von Weitem, wie ein Raunen, das über dem Wasser liegt.“

Petra Glardon, Naturführerin bei PONANT EXPLORATIONS

Wie fühlt es sich an, sich den Kolonien zu nähern?

Die Kolonien nimmt man oft wahr, bevor man sie überhaupt sieht. Je nach Windrichtung erreicht ihre Geräuschkulisse das Schiff schon von Weitem, wie ein Raunen, das über dem Wasser liegt. Nähert man sich dann im Zodiac, wird aus dieser Geräuschmasse eine regelrechte Klangwand, die sich nach und nach auffächert: die Rufe der Pinguine, die schrilleren Schreie der Küken, die Seebären, deren Rufe von einem Ende des Strandes zum anderen hallen.

Gegen Saisonende, wenn die jungen Seebären da sind, wird der Geräuschpegel geradezu unglaublich; sie rufen ununterbrochen. Wenn ein Weibchen aus dem Wasser zurückkehrt und sein Junges inmitten Tausender Tiere zunächst an der Stimme und dann am Geruch wiederfindet, ist das jedes Mal sehr bewegend.

picto-quote

„Seit mehr als zwanzig Jahren reise ich immer wieder in die Polarregionen, und doch bleibt die emotionale Rührung dieselbe.”

Petra Glardon, Naturführerin bei PONANT EXPLORATIONS

Bleibt dieses Erlebnis auch nach all den Jahren so intensiv?

Ja, ganz und gar. Seit mehr als zwanzig Jahren reise ich in die Polarregionen, und doch bleibt die emotionale Reaktion dieselbe. Inmitten Tausender Tiere zu stehen, in einer so ursprünglichen und wilden Natur, löst immer wieder etwas sehr Starkes aus.

Auch viele Gäste sind übrigens sehr bewegt von dem, was sie hier erleben, manche bis zu Tränen. Ich glaube, das liegt auch an diesem selten gewordenen Gefühl: in ein Gebiet einzutreten, in dem der Mensch nur zu Gast ist. Selbst wenn die Bedingungen schwierig werden, mit Wind, Kälte oder Regen, gilt es, jede Gelegenheit für einen Landgang zu nutzen. In diesen Regionen gehört das Unvorhersehbare ganz selbstverständlich zur Erfahrung dazu.

Deux jeunes otaries à fourrure antarctique assises sur une plage de galets en Géorgie du Sud, avec des montagnes enveloppées de brume en arrière-plan.

Zwei junge Antarktische Seebären sitzen an einem Kiesstrand in Südgeorgien

Wie viel Unvorhersehbares gehört zu einer Reise hier dazu?

​In diesen Regionen ist man zwar stets mit einer geplanten Route unterwegs, mit vorbereiteten Anlandungen und Zielen, die man erreichen möchte, doch die Bedingungen können sich sehr schnell ändern. Das Wetter wechselt mitunter innerhalb weniger Stunden, und die Tiere selbst folgen naturgemäß keinem Drehbuch.

Genau das macht diese Reisen auch so besonders. Jeder Tag bleibt offen für eine unerwartete Begegnungen. Man kann ein bestimmtes Tierverhalten jahrelang studiert haben, ohne es je gesehen zu haben, und dann plötzlich live miterleben. Diese Portion Ungewissheit gehört untrennbar zur Erfahrung der Polarregionen.

Überrascht Sie die Natur auch nach all den Jahren noch?

Ständig! Ich hatte etwa das Glück, die Geburt eines Antarktischen Seebären an einem Strand Südgeorgiens zu erleben. Das Weibchen lag bereits in den Wehen, während ringsum schon die Vögel zusammenkamen. Es ist wirklich beeindruckend zu sehen, wie genau die Natur bereits zu wissen scheint, was sich gleich ereignen wird.

Das Südpolarmeer ist auch das Reich der Wale …

Ja, auch wenn in diesen Regionen eine Sichtung nie garantiert ist. Meist kann man Buckelwale beobachten und mitunter auch Orcas, die mich übrigens am meisten faszinieren. Manche Populationen ernähren sich ausschließlich von Fisch, andere haben sich auf die Jagd nach Robben spezialisiert und erzeugen dafür sogar Wellen, um ihre Beute von Eisschollen zu spülen.

Was mich immer wieder erstaunt, ist, wie unterschiedlich diese Gruppen voneinander sein können. Sie besitzen eigene Lautäußerungen, Verhaltensweisen und Jagdtechniken je nach „Ökotyp“, selbst wenn sie sich mitunter dieselben Gewässer teilen. Wer das Glück hat, sie in einer derart weiten und wilden Umgebung zu beobachten, erkennt, wie komplex und wie wenig erforscht diese Tiere noch immer sind.

Vue aérienne d’une baleine à bosse à la surface de l’océan au large de la Géorgie du Sud

Buckelwal an der Meeresoberfläche vor Südgeorgien

Vom Walfang- zum Naturschutzgebiet

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Südgeorgien zu einem der wichtigsten Walfangzentren des Südpolarmeeres. Stationen wie Grytviken beherbergten Walfänger und Verarbeitungsindustrien und trugen so zu einem massiven Einbruch der Walbestände bei. Seit mehreren Jahrzehnten läuft auf dem Archipel ein umfangreiches Schutzprogramm. Die Ausrottung der von Schiffen eingeschleppten Ratten hat insbesondere die Rückkehr zahlreicher Seevogelarten ermöglicht. Heute gilt Südgeorgien als eines der großen Biodiversitäts-Schutzgebiete der Subantarktis, mit sehr strengen Regelungen zum Schutz seiner Ökosysteme.

Was verändert die Anwesenheit der Naturführerinnen und Naturführer während der Expedition?

Unsere Aufgabe besteht darin, das sichtbar zu machen, was auf den ersten Blick verborgen bleibt. Das ist ein Aspekt, den ich an dieser Arbeit besonders schätze: Ein erklärtes Detail oder Verhalten verändert oft vollständig, wie man eine Szene wahrnimmt.

Lassen sich die Tiere leicht beobachten?

Das Besondere an Südgeorgien ist, dass die Tiere den Menschen nicht zwangsläufig als Bedrohung wahrnehmen. Vor allem die Königspinguine sind ausgesprochen neugierig und nähern sich manchmal von selbst den Gästen. Umso wichtiger ist es für uns, stets auf den nötigen Abstand zu achten.

Die gesamte Herangehensweise beruht auf respektvoller Beobachtung, ohne das Verhalten der Tiere zu stören. Genau das macht die Erfahrung auch so eindrucksvoll: das Gefühl, ein Gebiet zu betreten, das zutiefst wild geblieben ist und in dem wir nur Zuschauer sind.

Une colonie de manchots royaux sur le rivage devant un glacier en Géorgie du Sud

Mit PONANT in die Antarktis

Erkunden Sie Südgeorgiens Tierwelt aus nächster Nähe.

Entdecken Sie

Kataloge und Broschüren

Möchten Sie mehr über unsere außergewöhnlichen Reiseziele erfahren?

mockup-escales