Unsere Verbindung zur polynesischen Kultur: ein Gespräch mit Hinanui Ina und Mihimana
Wer einmal an Bord der Le Paul Gauguin unterwegs war, kennt sie schon: die Reiseleiter und -begleiter, die wir die „Gauguines“ und „Gauguins“ nennen. Sie sind Ihre tahitianischen Gastgeberinnen und Gastgeber, die die Gäste der Paul Gaugiun auf ihrer Entdeckungsreise durch die Kultur Polynesiens begleiten. Sie sind da, wenn die Inseln am Horizont auftauchen. Sie sind da, wenn die Anker fallen. Und sie sind da, wenn die Gäste am letzten Abend innehalten und spüren, dass diese Reise etwas in ihnen verändert hat.
Wir haben Hinanui Ina getroffen – und auch Mihimana hat uns seine Sicht auf das geschenkt, was es bedeutet, Polynesier zu sein.
Können Sie uns etwas über sich erzählen?
Ich komme aus Tahiti – wie jede Gauguine und jeder Gauguin. Und wie die meisten von uns trage ich einen tahitianischen Namen mit einer eigenen Geschichte. Im polynesischen Glaubenssystem ist Hina der Name der Mondgöttin. Nui bedeutet „groß”. Hinanui – das bin ich: die große Hina.
War die Arbeit als Reiseführerin für Sie ein naheliegender Berufsweg?
Überhaupt nicht. Ich habe als Musikerin auf der Le Paul Gauguin angefangen – und habe das Leben an Bord vom ersten Moment an geliebt. Gäste aus aller Welt zu begrüßen, zu singen, zu tanzen, unsere Kultur weiterzugeben: Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen. Und gleichzeitig ist es eine Möglichkeit für uns, die eigenen Inseln immer wieder neu zu sehen.
Wer sind die „Gauguines“ und die „Gauguins“?
Wir sind sieben – vier Frauen, drei Männer. Tänzerinnen, Musiker, Sänger, und noch so vieles mehr. Wir sprechen Französisch und Englisch fließend, damit wir uns um unsere internationalen Gäste wirklich kümmern können. Manchmal werden wir als Animateure bezeichnet, aber das trifft es nicht. Unsere eigentliche Aufgabe ist es, die Gäste ins Herz der Südsee zu führen – zu unserer Kultur, unseren Traditionen, zu dem, was man in keinem Reiseführer findet.
Wie sieht das konkret auf einer Kreuzfahrt aus?
Einfach gesagt: Wir sind überall dabei. An Deck, beim Frühstück, beim Abendessen. Jeder Gast kennt uns schnell beim Namen. Aber wir bleiben nicht nur auf dem Schiff – die Gauguines und Gauguins begleiten die Gäste auch an Land, bei jedem Ausflug. So können wir ihnen nahebringen, was sie sehen, und helfen, das Gesehene einzuordnen und zu verstehen. Und wir können ihnen Türen öffnen, die für andere verschlossen bleiben.
Was es bedeutet, Tahitianer zu sein – von Mihimana
Mihimana ist ebenfalls Gauguin. Sein Name bedeutet „Gedanke als Kraft”. Er erzählt:
„Tahitianer sind freundlich, fröhlich, höflich – und immer bereit, die Hand auszustrecken. Viele junge Menschen haben heute den unmittelbaren Zugang zu unseren alten Legenden verloren, das stimmt. Und doch ist da diese tiefe, unauflösliche Verbindung zum Meer. Man sagt, die Seele eines Polynesiers kehrt nach dem Tod in den Ozean zurück. Wir fahren dann mit einem Blumenkranz auf unseren Kanus oder Surfbrettern hinaus – wir singen, und wir lassen den Kranz ins Wasser gleiten, als Gruß an den Menschen, den wir verloren haben. Es gibt Familien, die diese Verbindung von Generation zu Generation tragen, indem sie sich ihr Totem-Meerestier auf den Körper tätowieren lassen: einen Hai, einen Delphin, eine Meeresschildkröte. Immer ein heiliges Tier. Immer eine Geschichte.“
Welche Aspekte Ihrer Kultur teilen Sie mit den Gästen?
Manchmal sind es die ersten Schritte eines tahitianischen Tanzes. Ein paar Worte unserer Sprache. Im Bereich des Kunsthandwerks führen wir die Gäste in das Flechten ein – an Land mit Kokospalmenblättern für Kränze, auf See mit Pandanus, dem in Polynesien verbreiteten Material, aus dem hier seit Jahrhunderten Kleidung, Körbe und Hüte entstehen. Sehr viele Gäste sind fasziniert von unseren Tätowierungen, von ihrer Bedeutung und Geschichte – und nicht wenige verlassen das Schiff mit einer Schildkröte oder einer Blüte auf der Haut. Zu Beginn jeder Kreuzfahrt zeigen wir auch eine 45-minütige Show. Für uns ist das kein Auftritt – es ist der Augenblick, in dem wir die Tür öffnen.
Warum verändert das Kennenlernen einer Kultur das Reisen so grundlegend?
Wenn die Gäste ankommen, haben sie alle ein ähnliches Bild im Kopf: Meer, weißer Sand, Palmen, blaue Lagunen. Das existiert – und wir zeigen es ihnen gern. Aber wir zeigen ihnen auch die anderen Aspekte der Südsee: wie wir leben, was die alltäglichen Dinge bedeuten, woher unsere Herzlichkeit kommt. Das ist es, was die Menschen wirklich berührt. Ein Teil unserer Kultur ist es, Gäste herzlich willkommen zu heißen. Und wir vergessen nie, dass diese Reise für manche Gäste ein Lebenstraum ist. Diesen Traum zu erfüllen – das ist unsere Verantwortung.
Woher kommt die polynesische Gastfreundschaft?
Sie gehört zur Erziehung. Auf den Inseln gilt: Wer am Strand an einer picknickenden Familie vorbeigeht, wird sehr wahrscheinlich eingeladen, sich dazuzusetzen. Das ist normal hier. Das Leben auf engem Raum und mit begrenzten Ressourcen sorgt dafür, dass die Menschen sich umeinander kümmern. Wir leben unsere Gemeinschaft. Auf einer kleinen Insel, wo jeder jeden kennt, braucht man keine große Geste, um ins Gespräch zu kommen.
Was ist das Schönste, das ein Gast am Ende einer Kreuzfahrt zu Ihnen gesagt hat?
„Wir kommen wieder.” Und sie kommen. Am letzten Abend singen wir immer ein polynesisches Lied – und es bringt die Gäste oft zum Weinen. Eine oder zwei Wochen hat man zusammen gelebt, hat zusammen Dinge erlebt und gemeinsam Zeit verbracht. Das hinterlässt Spuren. Bei unseren Gästen. Und bei uns.
Ta’aroa, der große Schöpfer
Am Anfang war Ta’aroa – der Urahn aller Götter im polynesischen Pantheon, das höchste Wesen, das alles erschuf. Jahrtausende hatte er in einer leeren, stillen Welt verbracht, ohne Erde, ohne Himmel, ohne Meer, ohne Sonne, Mond oder Sterne. Dann brach Ta’aroa aus seinem göttlichen Kokon aus. Aus seiner Schale wurden Felsen und Sand. Aus seiner Wirbelsäule entstanden Berge. Seine Tränen füllten die Ozeane, Seen und Flüsse. Seine Nägel wurden zu den Schuppen von Fischen und Schildkröten. Seine Federn wurden zu Bäumen und Büschen. Und sein Blut formte die Farben des Regenbogens.
Dann kamen die Götter: ʻOro, sein ältester Sohn und Herrscher der Welt. Tane, sein Bruder, Gott des Friedens und der Schönheit. Hina, die Göttin des Mondes. Und der Halbgott Maui. Hunderte von Göttern bewohnen seitdem die Himmel, das Wasser, die Wälder und die Berge. Die Menschheit – sie kam viel später.
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Mit PONANT in die Südsee
Die Kultur Polynesiens erleben.


