Die Wunder der „Côte de Granit Rose“
Die Bretagne hat noch mal ein ganz eigenes Flair, wenn man sie vom Wasser aus entdeckt. In der Region Perros-Guirec, im Département Côtes-d’Armor, öffnet sich vom Schiff aus der Blick auf zwei der eindrucksvollsten Küstenlandschaften Frankreichs: das perlmuttfarbene Band der Côte de Granit Rose und die riesigen Vogelkolonien des Nationalen Naturreservats der Sept-Îles. Zwei Begegnungen mit einer Natur, die hier mit besonderer Sorgfalt bewahrt wird.
Die Côte de Granit Rose
Auf einer Strecke von etwa zehn Kilometern zwischen Trebeurden und Perros-Guirec zeigt die Küste ein märchenhaftes Relief aus rosafarbenem Stein. Niedrige, glattgeschliffene Felswände, aus dem Wasser ragende Skulpturen – Jahrmillionen von Gezeiten haben hier spektakuläre Formen aus Stein geschaffen. Die Fischer der Region haben Ihnen Namen gegeben: die Schildkröte, der Affe, der Hase. Im Licht funkeln die kupferfarbenen Töne gegen das klare Wasser der Ärmelkanalküste. Was poetisch aussieht, hat eine nüchterne wissenschaftliche Erklärung: Die ungewöhnliche Farbe des Gesteins verdankt es dem Eisenoxid in seiner kristallinen Zusammensetzung. Mit rund 300 Millionen Jahren gilt dieser Granit unter Geologen als vergleichsweise jung – und als ausgesprochen selten. Nur zwei weitere Küsten dieser Art existieren weltweit: eine in China, eine im Golf von Porto auf Korsika.
Ploumanac’h, Hafenort mit bretonischer Seele
Tief in einer kleinen Bucht, gesäumt von schimmernden Felsen, liegt das Weiler Ploumanac’h – ein Ort, der sich dem Besucher fast widerwillig öffnet und gerade deshalb in Erinnerung bleibt. Sein eigenwilliger Charme sorgte dafür, dass der Ort 2015 zum beliebtesten Dorf Frankreichs gewählt wurde. Schon die Römer war hier gewesen, doch der bekannteste frühe Ankömmling war der heilige Guirec, ein walisischer Mönch, der im 6. Jahrhundert hier angekommen sein soll – auf Bretonisch bedeutet Ploumanac’h nichts anderes als „der Teich des Mönchs”. Vom Wasser aus fällt der Blick auf den Leuchtturm des Ortes: 15 Meter hoch, vollständig aus rosafarbenem Granit erbaut und 1946 errichtet, als Ersatz für einen Vorgängerbau, der im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war.
Ein einzigartiges Naturreservat
Wer den Blick weitet, sieht nach etwa einer Stunde auf See die ersten braunen Felsen und gezackten Riffe der Sept-Îles auftauchen. Auf einer Gesamtfläche von 280 Hektar – davon 40 Hektar über dem Meeresspiegel – beherbergt dieser zerklüftete Archipel über 20.000 Brutpaare von mindestens 23 Arten: Papageitaucher, Sturmtaucher, Seeschwalben, Möwen, Kormorane und Basstölpel teilen sich den Luftraum über den Inseln in einem Ballett, das seinesgleichen sucht. Das Reservat gilt als das bedeutendste Naturschutzgebiet an der gesamten französischen Küste. Neben seiner ökologischen Bedeutung besitzt es auch eine historische: Auf der Île aux Moines – nicht zu verwechseln mit ihrem gleichnamigen Pendant im Morbihan – sind ein Leuchtturm und eine Festungsanlage aus dem 18. Jahrhundert erhalten.
Der Basstölpel, treuer Zugvogel
Den Hauptteil des Reservats beansprucht der Basstölpel für sich. Auf der felsigen Insel Rouzic, ein wenig abseits der übrigen Eilande, nistet alljährlich von April bis September eine Brutkolonie von 40.000 Tieren. Es ist der einzige Nistplatz dieser Vogelart in Frankreich und der südlichste in seinem gesamten Verbreitungsgebiet – was den Schutzmaßnahmen hier besonderes Gewicht verleiht. Vom Schiff aus können wir die zerklüfteten Küsten besonders gut beobachten, dessen Flanken von weißgrauen Vögeln bedeckt sind.
Was auf den ersten Blick chaotisch wirkt, folgt einer klaren Ordnung: Paare auf einer Seite, noch partnerlose Tiere auf der anderen. Da Basstölpel ihr Leben lang demselben Partner treu bleiben, ist die Wahl nicht trivial. Die Paare wechseln sich beim Aufziehen der Jungen ab und ziehen in engen Kreisen um den Felsen, auf der Suche nach Fisch und Krebstieren. Ein Schauspiel – auch für die Ohren. Wissenswertes am Rande: Die Küken kommen weiß zur Welt, werden im Laufe ihrer Entwicklung dunkel, um mit den Jahren wieder aufzuhellen.
Gustave Eiffel und die Côte de Granit Rose
Ploumanac’h bewahrt das Andenken an den heiligen Guirec, und trägt noch sichtbarere Spuren eines anderen prominenten Besuchers. Auf einem kleinen Felsvorsprung nördlich des Dorfes ließ Gustave Eiffel 1903 ein Haus im schottischen Stil für seinen Sohn Albert errichten. Das Gebäude aus rosafarbenem Granit diente dem Ingenieur als Sommerresidenz und gelegentliches Laboratorium: Eiffel installierte hier eine vollständige Wetterstation. Von der malerischen Bucht von Ploumanac’h aus ist das imposante Gebäude mit seinem kleinen Turm gut zu erkennen. Mehr als ein Jahrhundert lang gehörte es der Familie Eiffel, bevor es 2012 neue Eigentümer fand.
Mit PONANT an die französische Küste
Entlang der Küste der Normandie und der Côte de Granit Rose – geformt von Wind, Wellen und Jahrmillionen – wartet eine Expeditionskreuzfahrt auf höchstem Niveau.


