Naturparadies am Ende der Welt
Schön und ungestüm zugleich – die Falklandinseln tauchen östlich von Feuerland auf, am äußersten Südende Südamerikas. Hier finden sich rund 750 Inseln und Eilande, über die unablässig der Wind der „Heulenden Fünfziger“ fegt. Aber nur 200 davon haben überhaupt einen Namen. Die Inseln wirken wie Konfetti, hineingeworfen ins Meer an den Toren der Antarktis. Gewaltige Schutzgebiete umfassen unberührte Wildnis und einer Tierwelt, die einem den Atem verschlägt.
Ein Hauch Europa am Rand der Antarktis
In Port Stanley beginnt die Erkundung der Falklandinseln, die zwar geografisch zu Südamerika gehören, aber bis heute britisches Überseegebiet sind. Bis ins 18. Jahrhundert unbewohnt, leben auf dem gesamten Archipel heute nur etwa 3.500 Menschen – rund 2.000 davon in Port Stanley. Bunte Hausdächer, gepflegte Gärten und kleine Pubs erinnern an eine englische Kleinstadt von einst. Hier und da lockt sogar ein Chippie mit Fish and Chips.
Das Museum der Falklandinseln auf dem historischen Gelände der Schiffswerften ist einen Besuch wert: zahlreiche Exponate erzählen vom bewegten Leben des Archipels und der Seefahrt in den umliegenden Gewässern. Die Christ-Church-Kathedrale gehört zu den kleinsten anglikanischen Kirchen der Welt. Eine weitere Sehenswürdigkeit: ein Torbogen aus den Kieferknochen zweier mächtiger Wale. So etwas bekommt man nicht überall zu sehen.
Ein Archipel am Ende der Welt
Îles Malouines auf Französisch, Falkland auf Englisch, Malvinas auf Spanisch – die unterschiedlichen Namen verweisen auf die bewegte Geschichte, genauso aufgewühlt wie die Naturgewalten, die hier regieren. Nahe dem Kap Hoorn, in den rauen Gewässern der Heulenden Fünfziger, auf dem Weg nach Südgeorgien und zur Antarktischen Halbinsel: Zwei große Inseln, Ost- und Westfalkland, getrennt von einem Meerenge.
„Die Falklandinseln sind der letzte Halt vor der Überfahrt nach Süden, vor der Antarktischen Halbinsel. Aber auch umgekehrt – wenn man aus den Gewässern der Antarktis herauskommt, erscheint der Archipel wie eine sanfte Rückkehr in eine Welt ohne Eis.“
Jean Krug, Glaziologe und PONANT Expeditionsleiter
Der Ruf der Natur
Wenige Schritte von der Stadt entfernt ist die Welt eine völlig andere. Die Spuren des Menschen weichen einer Natur, die sich nicht zähmen lässt. Rau, klar, absolut. Man spürt sie körperlich – die belebende Luft, die Stille, das beunruhigende Gefühl, eine Welt zu betreten, die auf den Menschen nicht gewartet hat.
Zerklüftete Küsten, an denen sich der Atlantik bricht. Dahinter sanfte Hügel. „Ich liebe diese außergewöhnlichen Farben“, erzählt Jean Krug. „Das tiefe Blau des Meeres, die weißen Strände, die Wiesen in Gelb- und Grüntönen. Die frische und gleichzeitig weiche Luft, der Salzgeruch der vom Wind aufgewirbelten Gischt. Das hohe Gras, das bei Böen wie Wellen über das Land rollt.“
Die einzigartige Flora der Falklandinseln
Fast 350 verschiedene Pflanzenarten wachsen auf den Falklandinseln – eine gute Handvoll existiert nirgendwo sonst auf der Welt. Das bekannteste Beispiel: das Olsynium filifolium, die „blasse Jungfrau”, offizielle Blume des Archipels und nationales Wahrzeichen. Allgegenwärtig ist das Tussackgras (Poa flabellata): Auf diesen baumlos weiten Inseln bietet das salzliebende Hochwachsgras unersetzlichen Lebensraum.
Im Reich der Falkland-Tierwelt
Seit Generationen für ihre Wolle gezüchtet, streifen rund 500.000 Schafe über das sanfte Hügelland. Manche Farmer sind in einem Zweit-Job auch als Guides für Besucher tätig – aus Liebe zu ihrem Land. Die unberührten Weiten des Archipels sind außerdem Lebensraum Hunderter Vogel- und Meeressäugerarten. Was sich dem Betrachter dort bietet, ist kaum in Worte zu fassen: eine Tierwelt, so lebendig und dicht, dass man nur Staunen kann.
Pelzrobben, Commerson-Delfine, See-Elefanten, Zwergwale – und über allem Tausende, Hunderttausende von Vögeln. Darunter der südliche Karakara, einer der seltensten Greifvögel der Welt. Und der Albatros in all seinen Erscheinungsformen: weißbrustig, gelbschnäbelig, grauköpfig oder mit schwarzen Brauen – Falkland gehört zu den bedeutendsten Nistplätzen der Welt.
Das Land des Schwarzbrauenalbatros
Himmelsbewohner, deren Leben sich fast ausschließlich auf hoher See abspielt: Sobald die Brutsaison beginnt, kehrt der Schwarzbrauenalbatros auf die Falklandinseln zurück. Fast 70 Prozent der gesamten Population nisten hier. Die Insel Steeple Jason, einst Weideland, beheimatet die größte Kolonie weltweit.
Auf den Falklandinseln regieren die Pinguine
Fünf Pinguinarten haben auf den Falklandinseln ihre Heimat gefunden: Magellan-, Felsen-, Esel- und Makaronipinguine sowie die zweitgrößte Königspinguinkolonie der Welt. In Volunteer Point, einer Halbinsel im Nordosten von Ostfalkland, ist die Begegnung schlicht unvermeidlich. Oder entlang des Neck, jenes schmalen Sandbandes, das die beiden Teile der Insel Saunders verbindet.
Im schwarzweißen Federkleid von schlichter Eleganz watscheln sie in Gruppen durch die Tussackwiesen und über die Strände, Köpfe hoch, der leuchtend orangefarbene Fleck wie ein Abzeichen. Die Jungen, noch im braunen Gefieder, erweisen sich manchmal als die Unerschrockenen – und kommen ihren Besuchern ganz von allein entgegen.
„Es gibt so viele Orte zu entdecken auf den Falklandinseln. Verlorene Flecken, auf denen zwei oder drei Häuser stehen. Sind sie bewohnt? Manchmal weiß man es nicht. Und ringsum diese riesigen Weiten. Das Gefühl von Freiheit ist überwältigend.“
Jean Krug, Glaziologe und PONANT Expeditionsleiter
Crédits photos : ©StudioPONANT/Olivier Blaud /Adrien MORLENT / Laure Patricot /Nathalie Michel /Alexandre HERBRECHT
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