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Die Britischen Jungferninseln: Paradies in der Karibik

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Karibisches Kleinod mit großer Seele

Östlich von Puerto Rico, mitten im Karibischen Meer, liegt eine Inselgruppe, die selbst Christopher Kolumbus sprachlos machte. Er betrat diese Inseln 1493 und gab ihnen ihren Namen – zu Ehren der heiligen Ursula und ihrer Pilgerbegleiterinnen. Wo einst Piraten Unterschlupf fanden, findet man heute einen echten Geheimtipp unter den Inseln der Antillen: die Britischen Jungferninseln (BVI). Tortola, Virgin Gorda, Jost Van Dyke und Anegada – vier Inseln und ein einzigartiges Lebensgefühl.

Rum verkosten auf Tortola

Tortola, die größte Insel des Archipels, empfängt mit einer Küste, an der sich üppige Vegetation und weißen oder goldenen Sandstränden abwechseln. An der Nordwestküste liegt die Cane Garden Bay, ein geschäftiger Strand, an dem zu jeder Tageszeit etwas los ist. Ganz in der Nähe wartet eine Sehenswürdigkeit, die in Erinnerung bleiben wird: die Callwood Rum Distillery, seit dem 18. Jahrhundert in Familienbesitz und damit die älteste Pot-Still-Destillerie der Karibik. Hinter authentischen Steinmauern, die auf die lange Tradition verweisen, wird hier Rum mit einer holzbefeuerten Destille und einer traditionellen Abfüllanlage hergestellt. Das Zuckerrohr wächst direkt hinter den Gebäuden. Wer die Destillerie besucht, kann verstehen, warum Rum auf diesen Inseln weit mehr als ein Getränk ist – er ist ein Stück Kulturgut der Britischen Jungferninseln.

Baden in den „Baths“ von Virgin Gorda

Virgin Gorda erinnert mit ihrer Atmosphäre der Ruhe an die Seychellen. Zwei Kilometer westlich von Spanish Town liegen die Baths: eine geologische Besonderheit, wie sie selten auf der Welt zu finden ist. Massive, sphärische Granitblöcke vulkanischen Ursprungs sind entlang des Strandes und der türkisblauen Gewässer verteilt und bilden ein natürliches Labyrinth, das zum Erkunden einlädt. Ein angelegter Pfad führt mal über, mal unter diesen beeindruckenden Felsen hindurch. Der schönste Moment: ein Bad in einem der natürlichen Felsbecken, abgeschirmt von der Sonne. Wer sich durch den schmalen Durchgang namens „The Cave“ zwängt, gelangt zur Devil’s Bay – ein weiter Sandstrand mit klarem, flachem Wasser, ideal für Schnorchelausflüge. Weiter westlich liegen die Dog Islands, eine Gruppe unbewohnter Inselchen, bekannt für ihre Seevogelkolonien und die Unterwasserwelt.

Tauchwelten der Extraklasse

Mit ihren Korallenriffen, Grotten, Schluchten und Canyons sind die Britischen Jungferninseln ein Paradies unter Wasser. Papageienfische, Blaue Doktorfische, Trompetenfische, Stachelmakrelen, Leopardenrochen und Meeresschildkröten bevölkern diese Unterwasserwelt, die für alle Erfahrungsstufen offen ist. Zu den besonders bekannten und erlebenswerten Spots gehören:

  •  Neben den Baths und der Devil’s Bay: The Caves vor Norman Island, eines der schönsten Schnorchelreviere der gesamten Region.
  • Nahe Tortola: das Wrack der MS Rhone, ein englischer Dampfer, der 1867 von einem Hurrikan in der Nähe von Salt Island auf Grund geschickt wurde und heute in 23 Metern Tiefe liegt. Die umliegenden Gewässer stehen als Nationalpark unter Naturschutz.
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Einen Cocktail trinken, die Füße im Sand – auf Jost Van Dyke

Jost Van Dyke, kurz JVD für alle, die sie gut kennen. Die kleinste bewohnte Insel des Archipels ist zugleich die quirligste. Ihren Namen verdankt sie einem holländischen Freibeuter des 17. Jahrhunderts, einem der ersten europäischen Siedler dieser Inseln. Hügel, grün bewachsen und sanft geschwungen, bieten Schutz für Leguane, Mangusten, Pelikane und Fregattvögel. Im Süden liegt die White Bay: außergewöhnlich feiner Sand, Wasser in sämtlichen Blautönen der Karibik. Hier trinkt man am besten einen Cocktail, die Füße im Wasser, und beobachtet die majestätischen Fregattvögel mit ihren langen, schmalen Flügeln im Gleitflug vor der Küste. Wer danach noch Lust auf ein festliches Abendprogramm hat, findet es im Hafen von Great Harbour – ein Städtchen mit karibischer Stimmung, der bis in die Nacht lebt.

Anegada – Wildnis am Rand des Archipels

Nach Jost Van Dyke empfängt Anegada mit einer anderen Art von Stille. Geologisch ist sie ein Außenseiter: Während alle anderen Inseln des Archipels vulkanischen Ursprungs sind, ist Anegada ein Kalksteintoll – ein erhöhtes Atoll, 19 Kilometer lang, 5 Kilometer breit, mit einem höchsten Punkt von gerade einmal 9 Metern über dem Meeresspiegel. Kein Wunder, dass man sie „die versunkene Insel“ nennt. Weite, oft menschenleere Sandstrände, ein türkisfarbenes Lagunen-Netz, Mangroven, Salzsümpfe: Flamingos und Antillen-Leguane haben hier eine neue Heimat gefunden, nachdem sie fast verschwunden waren. An der südöstlichen Spitze des Atolls liegt der Conch Shell Mound – ein außergewöhnlicher Muschelberg, auf dem Fischer über Generationen hinweg Hunderttausende von Kronenschnecken abgelegt haben, in einem Farbspiel aus Rosa und Orange. Der Horseshoe Reef, das viertgrößte Barriereriff der Welt, schließt dieses Ökosystem ab und schützt die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt.

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Sylvia Earle – Bürgerin der Erde und der Ozeane

Sylvia Earle ist Meeresbiologin, Ozeanografin und Forscherin von Weltrang – eine der leidenschaftlichsten Stimmen für den Schutz der Ozeane. 1969 bewarb sie sich für das Tektite-Projekt, ein Unterwasserforschungslabor, das in rund 13 Metern Tiefe in der Great Lameshur Bay auf St. John, den US-amerikanischen Jungferninseln, verankert war. Das Projekt sollte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ermöglichen, mehrere Wochen in unmittelbarer Nähe ihrer Forschungsgebiete zu leben. Beim ersten Anlauf wurde Earle nicht berücksichtigt. Im Jahr darauf bewarb sie sich erneut – diesmal im Rahmen des Programms Tektite II – und wurde zur Missionsleiterin ernannt: Sie führte das erste rein weibliche Aquanauten-Team in der Geschichte des Programms. Was folgte, war mehr als ein wissenschaftlicher Erfolg. Sylvia Earle wurde zu einer öffentlichen Persönlichkeit, deren Engagement für den Schutz der Meerestiefen weit über die Wissenschaft hinaus wirkt.

Bildnachweise:  © Istock / ©StudioPONANT/Thibault GARNIER

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