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Wandern auf Island und den Färöer-Inseln

Mount Kirkjufell, Iceland

Der Ruf der Wildnis

 

Es gibt Landschaften, in denen Wandern bedeutet, Teil von etwas Größerem zu werden. Island und die Färöer-Inseln gehören zu diesen seltenen Orten. Auf der einen Seite: eine Insel, geformt von Feuer und Eis, die sich immer noch verändert wie ein lebender Organismus. Auf der anderen: ein Archipel, aufgehängt zwischen Himmel und Ozean, dessen Klippen aus dem Nebel zu wachsen scheinen. Anne-Claire Lefèvre Yver, Naturführerin, lokale Reiseleiterin und Assistentin der Expeditionsleitung bei PONANT, gibt ihre persönlichen Wandertipps.

Island – dem lebendigen Puls der Natur folgen

Eldfell volcano, Heimaey island, Iceland

Jeder Pfad auf Island erzählt eine geologische Geschichte, die noch nicht zu Ende geschrieben ist. Die Erde dampft, grummelt mitunter, reißt auf, ist bedeckt von Moos oder gefroren. Wandern auf Island ist Wandern durch das Herz des Erde selbst.
Vulkanisches Relief weicht schwarzen Ebenen, Wasserfälle verstecken sich in Schluchten, heiße Quellen ziehen Dampfschleier durch kühle Luft – während Papageitaucher und Küstenseeschwalben über die Gipfel streichen. Jeder Schritt eröffnet eine andere Dimension. Mal unermesslich weit, mal überraschend nah – die Natur Islands lässt sich auf kein einzelnes Bild reduzieren.

Landmannalaugar – eine Sinfonie aus Mineralien

Landmannalaugar Mountains, Iceland

Landmannalaugar zählt zu den eindrucksvollsten Wandergebieten Islands. Diese nur im Sommer zugängliche Region ist bekannt für ihre Rhyolith-Berge in einem Farbenspiel, das einem die Sprache verschlägt: Ocker, Rosa, zartes Grün, Schwefelgelb.

Hier zu wandern fühlt sich an, als liefe man durch eine überdimensionale Farbpalette unter freiem Himmel. Lavafelder grenzen an Schneereste, heiße Quellen erinnern an die unterirdischen Kräfte, die dieses Land stetig verändern. Die Stille – nur unterbrochen vom Flüstern der Elemente – lässt die Schönheit des Ortes noch tiefer wirken.

Wanderwege auf Island und den Färöer-Inseln: zwei Welten

Die Wanderwege Islands bieten eine große Bandbreite an Schwierigkeitsgraden. Rund um den Golden Circle sind viele Routen gut zugänglich; im Hochland hingegen sind Kondition und Erfahrung gefragt. Vulkane, Lavafelder, Täler, Gletscher und ein Wetter, das eigene Pläne hat – all das macht die Tour zum Abenteuer. Wanderschuhe und wasserfeste Kleidung sind unverzichtbar.

Auf den Färöer-Inseln sind die Wanderwege mit sechs bis vierzehn Kilometern zwar kürzer, aber steiler. Die Pfade führen entlang von Klippen und schroffen Hängen, mit weiten Blicken über den Ozean, eingebettet in saftig grüne Landschaften voller Leben. Hohe Wanderschuhe und Stöcke sind hier keine Option, sondern zwingend erforderlich.

Der Vatnajökull-Gletscher – ein Erlebnis der Weite

Vatnajökull glacier in Iceland

Island hat noch ein anderes Gesicht: das der monumentalen Eislandschaft. Der Vatnajökull ist einer der größten Gletscher Europas – eine Welt aus Weiß, bläulichen Gletscherspalten und schmelzwassergespeisten Flüssen. Im Osten des Gletschers ziehen wilde Rentierherden über üppig grüne Ebenen, stille Bewohner dieser außergewöhnlichen Natur.

Das Wandern dort hat etwas Meditatives. Man spürt die Langsamkeit natürlicher Verwandlungen, die Wucht langer Zeiträume, die Zerbrechlichkeit eines Gleichgewichts. Die Natur beeindruckt hier weniger durch unmittelbare Kraft als durch das Gefühl von Unendlichkeit, das sie hinterlässt.

Die Färöer-Inseln – rau, vertikal, unvermittelt

Cliffs in the Faroe Islands

Ein Besuch der Färöer-Inseln ist ein deutlicher Kontrast. Wo Island weite Horizonte öffnet, zieht der Archipel die Linien eng. Berge stürzen ins Meer, Täler schließen sich um Dörfer mit Grasdächern, Straßen scheinen in den Wolken zu verschwinden.
Wandern auf den Färöer bedeutet: ständige Nähe zu den Elementen. Alles wirkt steiler, unmittelbarer.

Spektakuläre Pfade zwischen Klippen und Ozean

House in Saksun, Faroe Islands

Orte wie Mykines mit seinen großen Seevogelkolonien, Kalsoy mit seinen tief eingeschnittenen Tälern und Saksun, versteckt am Fuß einer Lagune, zeigen, wie vielfältig die Schönheit der Färöer ist.
Die Wege führen an schwindelerregenden Klippen entlang, hoch über dem Atlantik, durch windgepeitschte Wiesen. Das Licht wechselt in Minuten: von warmem Sonnenschein zu milchigem Dunst. Dieses natürliche Wechselspiel macht die Färöer zu einem Ort, der besonders jene berührt, die die Kraft der Natur erleben wollen.

Eine Landschaft außerhalb der Zeit

Free-ranging sheep near Bosdalafossur, Faroe Islands

Jenseits der Panoramen berühren die Färöer durch ihr Tempo. Ein paar verstreute Häuser, winzige Häfen, freilaufende Schafe, eine Straße, die sich um den Berg schlingt – alles erscheint wie eine Einladung zum Innehalten.
Man wandert hier, um zu schauen, und dabei zu spüren. Die Färöer schenken einem das seltene Gefühl, am Rand der Welt angekommen zu sein, in einem Land, in dem noch immer die Natur das Tempo vorgibt.

Island und die Färöer-Inseln: zwei Visionen, die sich ergänzen

Geysir, Iceland

Diese beiden Ziele miteinander zu vergleichen, bedeutet weniger, sie zu bewerten, als ihren Dialog zu verstehen. Island fasziniert mit seinem ewigen Wandel: Vulkane, Gletscher, Lavafelder, warme Gewässer. Die Färöer-Inseln ziehen in ihren Bann mit durch Erosion geformten Reliefs, senkrechten Klippen und einer unmittelbaren Verbindung zum Meer.

Das eine vermittelt Weite. Das andere eine intimere Intensität. Zusammen ergeben sie eine nordische Reise von außerordentlicher Tiefe.

Gut vorbereitet: Wann ist die beste Reisezeit und was erwartet den Wanderer?

Für Wanderungen auf Island und den Färöer-Inseln sind die Sommermonate am geeignetsten. Von Juni bis September ermöglichen die langen Tage ausgedehnte Erkundungen, viele Routen sind zugänglich, darunter auch die isländischen Hochlandpfade. Dennoch bleibt das Wetter ein unberechenbarer Begleiter. Wind, Nieselregen, plötzliche Lichtmomente – diese Landschaften lieben die Überraschung. Wer das akzeptiert, wird reich belohnt. Im Hohen Norden geht Schönheit oft mit einem bewegten Himmel einher.

Diese Landschaften aus einem neuen Blickwinkel sehen

Blue Lagoon, Iceland

Diese Landschaften vom Meer aus zu erleben bedeutet, ihr ganzes Ausmaß zu begreifen. An Bord einer PONANT Kreuzfahrt nach Island lässt sich die Küste auf eine Weise erfahren, die zu Lande nicht möglich ist. Als Teil eines Ausflugs ist eine Wanderung durch die Vatnshellir-Höhle, die Jules Verne zu einem seiner Romane inspirierte, ein eindrucksvolles Erlebnis. Ebenso eine Wanderung nahe Kirkjufell, durch die Tundra – ein Moment, der zur Stille einlädt und zur Begegnung mit sich selbst.

Vom Meer aus zeigen sich die Färöer-Inseln von ihrer eindrucksvollsten Seite: Die Klippen bauen sich majestätisch auf, und man hält unwillkürlich den Atem an. Eine PONANT Kreuzfahrt zu den Färöer-Inseln führt in schwer zugängliche Regionen – und dort beispielsweise ins prachtvolle Hvannhagi-Tal, ins Dorf Saksun oder ins Nationalmuseum, das das Leben der färöischen Bauern des 20. Jahrhunderts lebendig werden lässt. Die 600 Meter hohen Klippen von Vestmanna vergisst man nie, und die Bergseen nahe Tórshavn entfalten eine Gemälde aus Moos, Wasser und Licht.

Aus der Perspektive von

Anne-Claire Lefèvre Yver

Ehemalige Drehbuchautorin für Dokumentarfilme, später Naturführerin, Referentin und Assistentin der Expeditionsleitung bei PONANT: Anne-Claire Lefèvre Yver kennt Island nicht nur von vielen Reisen. Sie verliebte sich in die Vulkanlandschaften und das Nordlicht, zog 2014 hierher und teilt seitdem ihre Leidenschaft für dieses Land mit Wärme und Feingefühl.

1. Landmannalaugar und Vatnajökull hinterlassen bleibende Eindrücke. Welcher Moment bleibt Ihnen unvergessen?

Ein Moment, der immer beeindruckt, ist der, wenn sich die Wolken plötzlich auflösen und das Panorama sich zeigt. Ich bin oft im Nebel oder unter dichter Wolkendecke gelaufen. Dann, völlig unerwartet, hebt sich der Schleier – und plötzlich ist alles da: die farbigen Berge von Landmannalaugar oder die eisige Weite des Vatnajökull. Dieser Kontrast macht die Schönheit umso eindringlicher. Diese Landschaften lehren Geduld, Gelassenheit und Loslassen.

2. Was berührt Sie am meisten daran, Gäste zu begleiten?

Was mich am meisten bewegt, ist zu sehen, wie Besucher diese Landschaften zum ersten Mal wahrnehmen. Den ersten Krater zu erleben, das erste Polarlicht, den Atem eines Wals oder die Entdeckung einer Gletscherlagune – das sind immer kostbare Momente. Ich erlebe ihr Staunen mit. Ich habe auch bemerkt, wie sehr diese Orte regenerieren: Manche Gäste erzählen mir, dass sie in Kontakt mit dieser kraftvollen, ursprünglichen Natur wieder Energie, Gleichgewicht und Lebendigkeit finden.

3. Wandern auf Island wird oft als sinnliches Erlebnis beschrieben. Welche Eindrücke kommen Ihnen in den Sinn?

Als Erstes denke ich an das Rauschen der Wasserfälle – man hört sie, lange bevor man sie sieht, wie beim Dettifoss. Dann der Wind, der einen mitunter ins Schwanken bringt, die Wellen an der Küste, die vollkommene Stille der schneebedeckten Hochplateaus. Ich denke an die Farben: das fast fluoreszierende Grün des Mooses, das wandelnde Licht, die schwarzen Strände, die milchweißen Gletscher.

Doch eine Erinnerung überwiegt: eine einzelne Blume, entdeckt im Fjallabak-Naturpark – eine Saxifraga cotyledon, mitten in einer mineralischen Wüste. Am nächsten Tag, beim Marsch durch einen heftigen Sturm, dachte ich wieder an diese zähe Pflanze. Wenn sie standhält, kann ich es auch.

4. Welche isländische Landschaft bewegt Sie noch heute?

Ohne Zögern: Heimaey, gezeichnet von der Eruption von 1973. Innerhalb weniger Stunden musste die Bevölkerung evakuiert werden, während andere blieben, um die Stadt vor den Lavaströmen zu schützen. Fünf Monate später war die Insel verwandelt – aber noch immer da.

Für mich fasst Heimaey die isländische Seele zusammen: die mitunter brutale Kraft der Elemente und die kollektive Stärke derer, die mit ihnen leben. Jeder Halt dort ist ein bewegender Moment.

5. Fühlt sich wandern auf den Färöer-Inseln anders an?

Ja, es ist ganz anders. Die Färöer-Inseln, geologisch älter als Island, bieten üppig grüne Landschaften, gemildert durch ein feuchteres Klima. Aber ihr Markenzeichen ist die Vertikalität: senkrechte Klippen, Täler, die in den Ozean stürzen, Panoramen, die über den Wellen zu schweben scheinen.

Besonders am Herzen liegt mir der Gipfel des Slættaratindur, dem höchsten Punkt des Archipels. Der Aufstieg ist hart, die Belohnung immens: eine Kette aus Inseln, Fjorden und wechselndem Licht, in einer Atmosphäre, die kaum zu glauben ist. Selbst unter einem bedrohlich wirkenden Himmel lässt mich dieser Ort nicht kalt.

 

Photos credits : © iStock ; ©Studio PONANT : Doriane Lete, Avi Bhuruth.

PONANT EXPLORATIONS vessel Le Bellot sailing off the island of Grimsey in Iceland

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